Fokus: Spiel

Die Schule soll die Lernenden auf den Umgang mit einem komplexen und unsicheren Umfeld vorbereiten. Eine herausfordernde Aufgabe. BNE bietet die Zukunfts- und Handlungsorientierung, die dazu notwendig ist. Das Spiel wiederum eröffnet Möglichkeitsräume, in denen Lernende Unsicherheit im geschützten Rahmen begegnen, Prozesse gestalten und Zukunft erproben können. Deshalb rückt éducation21 dieses Jahr das Spiel ins Zentrum.
Warum «Spiel»?
Tiefgreifenden Veränderungen wie Klimawandel, Einsatz von KI oder dem Wandel von Arbeit sind komplex, dynamisch und von Zielkonflikten geprägt, es existieren mehrere legitime Sichtweisen, und Handeln ist notwendig, obwohl seine Folgen oft ungewiss sind. Die Schule muss junge Menschen befähigen, Strategien zu entwickeln, um in solchen Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Hier setzt BNE an – und das Spiel erweist sich als besonders geeignete Methode. Es bietet einen «Möglichkeitsraum», der es erlaubt, komplexe Systeme zu simulieren, Zielkonflikte auszuhalten und Alternativen zu erproben. Schülerinnen und Schüler erleben, dass ihr Umfeld und die Zukunft gestaltbar sind. Sie können ausserhalb von normativen Konzepten Kompetenzen wie Handlungsfähigkeit, Perspektivenwechsel, Kompromiss- und Anpassungsfähigkeit trainieren.
In Simulationen, Rollen- oder Planspielen übernehmen Lernende Rollen aus Politik, Wirtschaft oder Interessengruppen. Sie verhandeln Anliegen, erleben Machtverhältnisse und Abhängigkeiten und erfahren die Folgen ihrer Entscheidungen unmittelbar. So trainiert Spielen Handlungsfähigkeit: Wie treffe ich Entscheidungen unter Unsicherheit? Wie gehe ich mit widersprüchlichen Zielen um? Wie kooperiere ich unter Druck? In Verbindung mit BNE trägt Spiel als Methode dazu bei, die Schulen zukunftsfähig zu machen, Lehrpersonen gewinnen didaktische Vielfalt, und Lernende erschliessen sich neue, erfahrungsbasierte Zugänge zu komplexen Themen.
Kompetenzen fürs Leben
Spielen löst Emotionen aus: Freude, Spannung, Ehrgeiz, manchmal auch Frustration. Diese Gefühle wirken als starke Lernmotoren: Sie fördern die Motivation, verankern das Gelernte besser im Gedächtnis und bilden einen wichtigen Ausgangspunkt für die Metakognition, insbesondere die Reflexion. So geht der Lernprozess über das Spiel hinaus. Nicht nur die Resultate sind pädagogisch sinnvoll, auch die prozeduralen Kompetenzen unterstützen den allgemeinen Lernzuwachs und lassen sich auch für die Leistungsbeurteilung beiziehen.
éducation21 unterstützt
Das Spiel fördert also kognitive, sprachliche und sozio-emotionale Kompetenzen, schafft Raum für Experimente und aktiviert die ganze Person. Neuere Ansätze verstehen Spiel als Kontinuum zwischen freiem Spiel und direkter Instruktion, wodurch unterschiedliche Formen spielerischen Lernens abgebildet werden können.
Der Lernerfolg durch Spiel hängt dabei stark vom Kontext, den Rahmenbedingungen und den beteiligten Personen ab. Eine zentrale Rolle kommt der Lehrperson zu: Sie entscheidet über die didaktische Einbettung, die Passung zum Entwicklungsstand der Lernenden, die Anbindung an Kompetenzen, die fachliche Validität sowie über eine abschliessende Reflexionsphase. Wird Spiel im Sinne des Whole School Approach (WSA) als Lernmethode und Teil der Schulkultur verankert, stärkt dies den Handlungsspielraum der Lehrpersonen.
éducation21 wird dieses Jahr geeignete Unterrichts- und Begleitmaterialen für den Einsatz der Methode im Unterricht entwickeln. Ausserdem richten wir unsere grossen Veranstaltungen thematisch darauf aus. Damit möchten wir Lehrpersonen aller Stufen wie auch Schulleitungen dazu befähigen dabei unterstützen, das Spiel gewinnbringend im Kontext von BNE zu nutzen.